Impressionen von der Uraufführung des neuen Theaterstücks „Fahrkarte und Kinderschuh“ in der Emmauskirche. Nächste Aufführungen: 11.03.2023, 20 Uhr, Verkehrsmuseum 15.04.2023, 20 Uhr, Jakobustheater 13.05.2023, 19 Uhr, Durlacher Orgelfabrik 14.05.2023, 20 Uhr, Durlacher Orgelfabrik
Der Mensch ist wie die Kunst Was ist Kunst? Diese nicht einfach zu beantwortende Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das neue Stück „Fahrkarte und Kinderschuh“ des Zimmertheater Chaiselongue, das Ende Januar in der Karlsruher Emmauskirche uraufgeführt wurde. Drei Frauen stehen auf der Bühne. Geschickt eingewebte Rückblicke zeigen, wie stark der Alltag dieser Frauen früher auf die Lebens-, Liebes- und Arbeitswelt des Großkünstlers Jon ausgerichtet war. Nicht zufällig erinnert die Attitüde des kreativen Genies an die einiger Malerfürsten des 20. Jahrhunderts – einer Zeit, in der ambitionierten Frauen in der Kunst oft nur die Rolle der inspirierenden Muse an der Seite des schaffenden Künstlers zugeschrieben wurde. Dem kleinen aus der traditionsreichen Karlsruher Spielgemeinde hervorgegangene Ensemble gelingt es in dem wie immer selbst entwickelten Stück, eine glaubwürdige Emanzipationsgeschichte zu erzählen. Immer weiter lösen sich die Frauen von ihrer Fixierung auf den – trotz schöpferischen Krisen – sich selbst verwirklichenden Mann. Sie werden selbst zu Schöpferinnen ohne sich dabei auf einen einheitlichen Kunstbegriff einigen zu müssen. „Der Mensch ist wie die Kunst“, heißt es dann auch an einer Stelle: „kompliziert, vielschichtig, universal, einzigartig.“ Natürlich kann das Stück keine endgültige Antwort auf die Frage nach dem Wesen der Kunst geben. Anregend ist es allemal. Es findet überraschende Bilder für den Drang nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen. Es hebt ab mit den Vögeln. Es bleibt geerdet. Es kratzt auf Geigensaiten. Es zieht und zerrt am Akkordeon. Es flimmert und leuchtet.