Rolf Nölle

IN MEMORIAM

*16.01.1936 Schneidemühl 
+29.01.2025 Graben
Eine der Basiseinsichten, die man bei Rolf Nölle lernen konnte, lautete: die Lage ist schwierig, es geht mir gerade nicht gut, lass uns ein Loblied singen. 
Nein, er hat kein großes Aufheben um seine Person und Befindlichkeiten gemacht. Wichtig war ihm, seit er 1974 mit seiner Familie das Pfarrhaus in Waldstadt-Süd bezogen hatte, als Pfarrer zu „dienen“ (wie er das ausdrücklich betonte), und seine Aufgaben dabei mit vollem Einsatz zu erfüllen.

Das hat er auch Zeit seines Lebens getan: Gottesdienste, die er gerne und dann auch laut singend gestaltete, Taufen, Trauungen und Beerdigungen, die im Laufe der 26 Jahre, die er in der Waldstadt als Pfarrer diente, zu gestalten waren. Immer war er mit ganzem Einsatz dabei. Viele Familien hat er so mit allem beglückt, was die pfarramtliche Palette der Gottesdienste so zu bieten hat. Die meisten Gemeindeglieder seiner (und der Nordgemeinde) hat er persönlich gekannt und auch über seinen Ruhestand hinaus begleitet, und wenn es sein sollte, getraut oder beerdigt.
Dabei war klar, dass man so ein Pfarramt nicht so nebenbei betreiben konnte, sondern mit vollem geistigem, geistlichen und körperlichem Einsatz. Ob es der Grillstand am Gemeindefest oder das Tische schleppen für eine Veranstaltung war, der Unterricht der Jugend. Es war ihm nichts zu viel. Dass er über all der Arbeit immer fröhlich blieb, habe ich, damals als junger Kollege, immer bewundert. Die Ironie tat ihr Übriges dazu, sich die Sorgen nicht zu nahe kommen zu lassen. Seine Grillschürze bleibt mir aus diesen Tagen in fester Erinnerung: „the Butler of her Majesty“. Und ich fragte mich immer, wer sich hinter der Majestät wohl verbarg.
Das er in seiner frühen Jugend gelernt hatte, zu rechnen und zu verwalten, half ihm in seinem Beruf ungemein. Bei ihm konnte man lernen, wie man effizient verwaltete und eine Pfarramtskasse führt. Hier wurde anschaulich, dass das „Handeln der Kirche geistlich und rechtlich in unaufgebbarer Einheit geschieht“ wie es in der Grundordnung unserer Kirche heißt.
Wie sehr ihm daran lag, Menschen zusammenzuführen, zeigten seine vielen Reisen, bei denen die Gemeinde nie fehlen durfte. Für viele Gemeindeglieder waren dies unvergessliche und prägende Gemeinschaftserlebnisse. Als die Gemeinde mit ihm in die Jahre kam, reiste er nebenbei noch mit dem Bus und 50 anderen in die Pfalz, ins Elsass oder in den Kraichgau. Gutes Essen und fröhliche Lieder gehörten selbstverständlich mit dazu.
Viele Jahre lang bis zu seinem Ruhestand 2000 übte er ehrenamtlich das Amt des Vorsitzenden der Kirchengemeinde Karlsruhe aus. Bauprojekte anschieben, Kindergärten bauen, die Finanzen zusammenhalten, Personalfragen besprechen, Sitzungen, Planungen, Protokolle und vieles mehr gehörte zu seinem Alltag. Hier wurden einige der vielen guten Gaben, die ihm Gott verliehen hatte, fruchtbar. Dass seine liebe Frau Sigrid und die Kinder das immer auch so sahen, ahne ich. Sie haben ihren Mann und Vater manches Mal entbehrt. Vielen Dank auch an sie.
Dass es im Ruhestand so weiter ging wie während der aktiven Zeit: was wäre anderes zu erwarten gewesen? Er konnte nicht anders, es war sein Leben; nicht einmal sein Schlaganfall, der ihm für viele Jahre den Gebrauch der linken Hand verwehrte und seine Gehfähigkeit einschränkte, konnte ihn davon abhalten, weiter – so gut es ging – Gottesdienste zu halten.
Wenn ich ihn nach dem Tod seiner Frau 2013 in Weingarten besuchte, galt seine erste Sorge dem Wohlergehen den Menschen in der Gemeinde in der Waldstadt, der Landeskirche. 
Nun durfte er in Gottes Frieden eingehen. Er darf ruhen von allen seinen Werken, bis er gerufen wird zu neuen Leben, auf das er so hoffte.
Er war mir ein vorbildlicher Kollege, guter Freund, ja mehr noch, ein Bruder in Christus, den ich und viele, die ihn kannten, wahrhaft vermissen werden.
Pfarrer Dr. Uwe Hauser